Vor elf Jahren saß ich selbst vor den ersten Aktiencharts und verstand nur einen Teil von dem, was ich sah. Überall standen Abkürzungen. Jeder erklärte eine andere Kennzahl. Eine gute Nachricht konnte den Kurs steigen lassen, fallen lassen oder scheinbar gar nichts auslösen. Ich musste mir über Monate zusammensuchen, was wirklich wichtig war und was ich erst einmal ignorieren konnte.
Wer heute anfängt, landet noch immer schnell an derselben Stelle. Die Programme sind besser geworden, die Menge an Informationen aber auch. Du kannst dir in wenigen Minuten hunderte Aktien, Dutzende Scanner und jede erdenkliche Kennzahl auf den Bildschirm holen. Das hilft wenig, solange du nicht weißt, womit du beginnen sollst.
Darum habe ich den Einfach-Modus gebaut. Er entfernt keine Daten und sperrt keine Funktionen. Er hält am Anfang nur das zurück, was du für die erste Prüfung nicht brauchst. Statt fünfzig Kennzahlen siehst du zuerst den Markt, eine kleinere Auswahl im Scanner, den Chart, deine Watchliste und später die Auswertung.
Trade Republic kennen inzwischen viele. Interactive Brokers deutlich weniger. Bei Trade Republic öffnest du die App und findest dich schnell zurecht. Interactive Brokers kann wesentlich mehr, verlangt aber auch, dass du bereits weißt, wonach du suchst. Ich nutze selbst IBKR und habe für den Einstieg trotzdem bei Trade Republic gespickelt. WickedDesk soll kein Broker werden. Ich wollte verstehen, warum sich eine Oberfläche sofort erschließt und eine andere erst nach längerer Einarbeitung.
Der Einfach-Modus ist daraus entstanden. Wenn du später mehr Filter, Zeitfenster und Auswertungen brauchst, schaltest du in den Einstellungen auf Pro um. Deine Watchlisten, Daten und Einstellungen bleiben dieselben. Du wechselst nicht das Programm, du öffnest nur die zusätzlichen Werkzeuge.
Eine feste Reihenfolge für jeden Handelstag
Weniger Funktionen allein machen den Einstieg nicht leichter. Du brauchst auch eine Reihenfolge. Deshalb beginnt der Einfach-Modus nicht mit irgendeiner Aktie, die gerade stark steigt. Er führt vom Markt über Gruppen und Scanner zum Chart. Erst danach kommt ein Wert auf die Watchliste. Nach dem Trade folgt die Auswertung.
Diese Reihenfolge ist der rote Faden. Du kannst sie jeden Tag abarbeiten, ohne deine Vorbereitung neu zu erfinden. Gerade am Anfang nimmt das viel Unsicherheit heraus. Später hilft dieselbe Routine dabei, nicht jedem Ticker hinterherzulaufen, der plötzlich auf dem Bildschirm auftaucht.
Zuerst der Markt
Bevor ich mir NVDA, DE oder einen anderen Ticker ansehe, will ich wissen, ob der Markt neue Long-Ideen überhaupt trägt. In einem breiten Aufwärtstrend darf die Auswahl größer sein. Bei Gegenwind muss eine Aktie deutlich mehr zeigen.
Die Marktampel fasst dafür Indizes, Marktbreite und weitere Daten zusammen. Sie nimmt dir die Entscheidung nicht ab. Sie setzt den Rahmen, in dem du entscheidest. Ein einzelner grüner Tag reicht bei einer schwachen Marktampel nicht. Dann müssen Gruppe, Volumen und Chart besonders sauber zusammenpassen.
Ein Scanner-Treffer ist noch kein Setup
Ein Scanner kann dir in Sekunden viele Aktien liefern. Das macht noch keine davon zu einem Setup. Der Treffer sagt nur, dass ein Wert bestimmte Filter erfüllt und eine genauere Prüfung verdient.
Mein erster Filter ist der SMA 200, also der gleitende Durchschnitt der letzten rund 200 Handelstage. Für Long-Setups schaue ich mir Aktien unter dieser Linie normalerweise nicht weiter an. Der Kurs kämpft dort gegen seinen übergeordneten Trend. In WickedDesk ist der SMA 200 in der Standardeinstellung die rote Linie im Chart.
Liegt der Kurs darüber, prüfe ich relative Stärke, Volumen, Nähe zum Hoch, ADR oder ATR, einen möglichen Katalysator und die Gruppe. Erst wenn mehrere Punkte zusammenkommen, öffne ich den Chart mit einer konkreten Frage.
Der Chart entscheidet
Im Chart prüfst du, ob die Geschichte aus dem Scanner auch im Kurs zu sehen ist. Der Wert muss über dem SMA 200 liegen. Danach schaust du auf Volumen, Abstand zum Hoch, gleitende Durchschnitte und eine mögliche Basis. Ohne einen klaren Einstiegspunkt kommt die Aktie nicht auf die Watchliste.
Das klingt streng, spart aber Zeit. Du musst nicht aus jedem guten Unternehmen einen Trade machen. Manchmal stimmen die Zahlen und der Chart noch nicht. Dann wartest du, bis der Kurs eine bessere Struktur zeigt.
Die Watchliste muss kurz bleiben
Früher habe ich interessante Aktien gesammelt. Das Ergebnis war eine lange Liste, die mir am nächsten Morgen kaum noch geholfen hat. Heute gehört ein Wert nur dann auf meine Watchliste, wenn ich weiß, worauf ich warte.
Dazu gehören ein möglicher Einstieg, ein Alarm und ein Punkt, an dem die Idee nicht mehr gilt. Außerdem muss der Wert besser aussehen als die Alternativen aus derselben Gruppe. Kann ich diese Fragen nicht beantworten, bleibt die Aktie draußen.
Review gehört dazu
Nach dem Trade beginnt der Teil, den viele auslassen. Du schaust dir an, was funktioniert hat und wo du immer wieder denselben Fehler machst. Vielleicht kaufst du zu früh. Vielleicht setzt du Stops zu weit. Vielleicht handelst du auch dann weiter, wenn die Marktampel längst zur Vorsicht mahnt.
Eine Auswertung soll diese Muster sichtbar machen. Manche Trader notieren zusätzlich, wie sie geschlafen haben, ob sie gestresst waren oder wie konzentriert sie sich vor dem Einstieg gefühlt haben. Das kann sehr aufschlussreich sein, gehört aber in ein eigenes Kapitel. Für den Anfang reicht es, den Grund für den Trade festzuhalten, das Ergebnis anzusehen und den Fehler beim nächsten Mal nicht zu wiederholen.
Mobil bleibt derselbe Ablauf
Unterwegs will ich nicht jede Einstellung vom Desktop bedienen. Ich will sehen, wie der Markt steht, einen Scanner-Treffer prüfen und meine Watchliste öffnen können. Deshalb folgt die mobile Ansicht derselben Reihenfolge, zeigt aber weniger Bedienelemente gleichzeitig.
Wenn du mehr brauchst
Mit der Zeit wirst du Fragen stellen, die der Einfach-Modus bewusst nicht auf den ersten Bildschirm legt. Du willst weitere Filter vergleichen, mehrere Zeitfenster öffnen oder im Chart genauer arbeiten. Dann schaltest du auf Pro um und findest dieselben Daten in größerer Tiefe.
Der Einfach-Modus soll dich nicht dauerhaft einschränken. Er soll dir den Anfang ersparen, den ich vor elf Jahren selbst hatte: zu viele Informationen, zu wenig Reihenfolge und niemand, der sagt, womit du beginnen solltest.
Aktiv zu traden ist trotzdem nicht für jeden der richtige Weg. Wer nicht regelmäßig Aktien prüfen und Entscheidungen treffen will, sollte das Thema Geldanlage nicht deshalb ganz liegen lassen. Für viele ist ein regelmäßiger, breit gestreuter Einstieg über ETFs sinnvoller als der Versuch, einzelne Aktien zu handeln. Wichtig ist, einen Weg zu wählen, den man versteht und über Jahre durchhalten kann.
